Das Projekt AgroPionier vernetzt innovative Landwirt:innen und generiert gemeinsam mit ihnen neues Wissen über den Anbau von Nischenkulturen. Dafür arbeitet das Forschungsteam mit Praxisakteur:innen an einer digitalen Plattform, die den Austausch zwischen Landwirtschaft und Forschung stärken soll. 

Doch braucht es eine solche Plattform überhaupt? Gibt es nicht bereits genügend Kanäle, die AgroPionier:innen für den Wissensaustausch nutzen? Und welche Informationen werden tatsächlich geteilt – und mit wem? Diese Fragen diskutierten rund 15 interessierte Landwirt:innen beim ersten AgroPionier-Workshop am 7. Februar 2025 am Strickhof. 

Informationsaustausch in der Landwirtschaft: Genutzte Kanäle und Herausforderungen 

In unserem Workshop haben wir die Teilnehmenden gefragt, welche Kanäle sie für den Wissensaustausch nutzen und warum. Dabei wurde deutlich, dass der direkte Erfahrungsaustausch mit anderen Landwirt:innen als besonders wertvoll empfunden wird. Im Mittelpunkt steht der Austausch mit Personen, die ähnliche Herausforderungen erleben, um praxisnah voneinander zu lernen. 

Dieser Austausch findet auf unterschiedliche Weise statt: 

  • Persönlich – im direkten Kontakt mit Kolleg:innen aus der Landwirtschaft. Wie sehr der persönliche Austausch geschätzt wird, zeigte sich auch an der hohen Teilnahme am Workshop. Eine Teilnehmerin brachte es treffend auf den Punkt: „Das ist das erste Mal, dass wir so viele Bauern zu Nischenkulturen hier [versammelt] haben!“ 
  • Digital – über geschlossene Gruppen auf Plattformen wie WhatsApp oder Telegram. 
  • In grösseren Gruppen – vor allem im Rahmen besonderer Anlässe wie Tagungen, Feldbegehungen, Feldabende, Events des Protein Power Networks oder Treffen von regionalen Anbaugruppen. 

Neben dem direkten Austausch wird auch fachliche Beratung als hilfreich angesehen, jedoch oft als formeller und weniger zugänglich empfunden. Hierbei geht es um praxisrelevante Informationen, beispielsweise zur Kulturauswahl oder zu laufenden Praxisprojekten in der Region. Zu den wichtigsten Quellen gehören: Landwirtschaftsämter, Beratungsstellen mit Fachpersonen und Forschungsinstitutionen, die wissenschaftliche Erkenntnisse für die Praxis aufbereiten. Einige Teilnehmende sahen die fachliche Beratung als ersten Schritt für den Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Praxis. 

Auf einer weniger interaktiven, aber dennoch hilfreichen Ebene stehen Merkblätter und Newsletter - wie solche vom Swiss Legume Hub - die jedoch oft als zu allgemein und nicht detailliert genug wahrgenommen werden. 

Am schwierigsten wird die individuelle Wissensbeschaffung durch Internetsuche empfunden. Gründe hierfür sind der hohe Zeitaufwand, Informationsquellen in verschiedenen Sprachen und an unterschiedlichen Orten, sowie ein Mangel an praxisnahen, detaillierten Inhalten. 

Viele Teilnehmende bemängeln die große Vielfalt an Kanälen für den Wissensaustausch und wünschen sich eine zentrale und unabhängige Plattform. Genau hier möchte AgroPionier mit seiner App ansetzen und eine gezielte Lösung für den Wissensaustausch in der Landwirtschaft bieten. 

Informationsaustausch bei den AgroPionier:innen: Präferenzen und Herausforderungen 

Die Teilnehmenden bevorzugen es, Informationen über Know-how, Anbaufehler, Nischenkulturen und Absatzkanäle zu erhalten. Bei der Bereitschaft, dieses Wissen zu teilen, gehen die Meinungen jedoch auseinander. Die Spannweite reicht von: „Ich würde mein gesamtes Wissen und alle Daten ohne Weiteres teilen,“ bis hin zu: „Ich lese lieber, was andere berichten, als selbst Informationen weiterzugeben.“.  

Wenn Informationen – etwa zu Erntemengen – geteilt werden, geschieht dies bevorzugt persönlich statt digital. Dies liegt unter anderem daran, dass geschäftsrelevante Informationen oft als entscheidend für den eigenen Erfolg betrachtet werden, weshalb sie ungern einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden: „Es geht um den Erfolg, und da teilt man lieber nichts Wichtiges [mit der Allgemeinheit].“ 

Das digitale Teilen von Informationen mit unbekannten Personen wird kritisch gesehen. Dafür gibt es mehrere Gründe: 

  • Hoher Aufwand für das digitale Teilen, der sich nur lohnt, wenn ein klarer Mehrwert erkennbar ist. 
  • Geringe Qualität vieler digitaler Beiträge: Oftmals wird wahrgenommen, dass diejenigen, die viel online teilen, nicht zwangsläufig über tiefgehendes Fachwissen verfügen. „Die, die im stillen Kämmerlein ihr Ding machen, sind erfolgreich. Die Leute, die viel auf YouTube sind, haben oft keine Ahnung.“ 
  • Datenschutz und Unsicherheit über den Datenzugang (Wer kann die Informationen sehen und nutzen?) 

Trotz dieser Vorbehalte gibt es bestimmte Situationen, in denen digitale Interaktion als sinnvoll erachtet wird: 

  • Kommentieren bestehender Inhalte, z. B. auf YouTube. 
  • Teilen von Fotos und Videos zu spezifischen Arbeitsprozessen, etwa Ernte- oder Pflegearbeiten. 
  • Weitergabe praktischer Ressourcen, wie Informationsblätter, Listen oder Adressen von Dienstleistern und Fachberatungsstellen. 

Diese Ergebnisse zeigen, dass der Wissenstransfer in der Landwirtschaft stark von Vertrauen, persönlichem Austausch und dem wahrgenommenen Nutzen einer Informationsweitergabe abhängt.   

Workshop-Ergebnisse sind in Weiterentwicklung der AgroPionier-App eingeflossen 

Die im Rahmen des Workshops gewonnenen Rückmeldungen wurden inzwischen systematisch ausgewertet und sind in die Überarbeitung der AgroPionier-App eingeflossen. Das Projektteam hat gemeinsam mit dem App-Entwickler Spotteron die geäusserten Bedürfnisse analysiert und geprüfte, inwiefern diese technisch umsetzbar sind. Daraus resultieren mehrere konkrete Anpassungen: 

Benutzerfreundlichere Erfassungsmaske für Landwirt:innen 

Die Eingabemaske für landwirtschaftliche Betriebe wurde überarbeitet, um einen niederschwelligeren Zugang zu ermöglichen. Das bedeutet, dass Informationen nun vermehrt auf freiwilliger Basis und nach individuellem Bedarf erfasst werden können. Damit wird dem Wunsch nach einem möglichst geringen Zeitaufwand und einer individuellen Auswahl darüber, welche Daten geteilt werden sollen, Rechnung getragen. 

Dienstleistungsanbieter:innen und Abnehmer:innen integrieren 

Es wurde eine zusätzliche Eingabemaske für Akteur:innen der Wertschöpfungskette entwickelt. Unternehmen, die im Bereich Anbau und Verarbeitung von Nischenkulturen tätig sind, können ihre Dienstleistungen nun direkt in der App eintragen. Auch Abnehmer:innen von Nischenkulturen erhalten die Möglichkeit, sich zu registrieren. Landwirt:innen können dadurch auf der interaktiven Karte nachschauen, wo relevante Dienstleistungen angeboten werden und potenzielle Abnehmer:innen zu finden sind. Die geographische Übersicht über die weitere Wertschöpfungskette wurde im Workshop von vielen Teilnehmenden als besonders hilfreich und wünschenswert hervorgehoben. 

Möglichkeit des Austauschs innerhalb geschlossener Gruppen 

Dem vielfach geäusserten Bedürfnis nach einem gezielteren Austausch – etwa mit anderen Produzent:innen der gleichen Nischenkultur – wird durch die Einrichtung themenspezifischer, geschlossener Gruppen im Online-Forum Rechnung getragen. Nutzer:innen haben damit die Wahl, Informationen öffentlich oder nur innerhalb ausgewählter Gruppen zu teilen. 

Diese Anpassungen markieren wichtige Zwischenschritte, doch die Entwicklung der App geht weiter: Als nächstes steht der Start der Pilotphase an, in der die AgroPionier-App in der Praxis erprobt und danach weiter optimiert werden kann.  

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